Heterosexuell

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Unter Heterosexualität versteht man die Ausrichtung des sexuellen Begehrens auf das jeweils andere Geschlecht. Heterosexuell sind in diesem Sinne Männer, die Frauen begehren und andersherum. Etymologisch lässt sich der Term auf das griechischen Wort „heteros“ („ungleich“ oder „der andere“) zurückführen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der substantiven und adjektiven Bedeutung des Begriffes. Als Substantiv wird Heterosexualität in erster Linie zur Beschreibung eines ausschließlichen Begehrens verwendet, während es das Adjektiv heterosexuell sich auch auf zwischenmenschliche Handlungen beziehen kann. Homo- oder Bisexuell ausgerichtete Menschen können in diesem Sinne durchaus heterosexuelle erotische Handlungen vollziehen oder entsprechende Zuneigungen verspüren. Entsprechende Handlungen sind demzufolge zu trennen von der wahrhaftigen sexuellen Orientierung. Zusammengefasst: Heterosexuell sind jene Praktiken mit dem anderen Geschlecht, Heterosexualität ist das nahezu ausschließliche Begehren des anderen Geschlechts.

In diesem Zusammenhang sind homosexuelle Handlungen von heterosexuell orientierten Menschen zwar nicht die Regel, aber auch keine zu vernachlässigende Seltenheit. Gerade im Jugendalter sind explorative sexuelle und erotische Gehversuche mit Personen des gleichen Geschlechts sowohl bei Jungen als auch Mädchen ein üblicher Bestandteil der psychischen Entwicklung. Auch im Erwachsenenalter können die Gedanken an den gleichgeschlechtlichen Sex stimulierend wirken und werden gelegentlich tatsächlich auch ausgelebt. In der Psychoanalyse Sigmund Freuds heißt es diesbezüglich, dass Menschen zwar tendenziell manifest, also (aus)gelebt heterosexuell seien, latent aber auch ausgeprägte homosexuelle Bedürfnisse hätten.

Heterosexuelles Begehrens gilt in nahezu allen Kulturen als tradierte, sozial am weitesten akzeptierte Norm. Entsprechenderweise sind global gesehen auch zwischenmenschliche Paarbündnisse wie die Ehe ein Privileg, dass heterosexuellen Paaren vorenthalten ist. Dieses Phänomen der gesellschaftlichen, also auch moralischen und juristischen Bevorzugung heterosexueller Orientierung wird auch mit dem aus den Geschlechterwissenschaften stammenden Begriff Heteronormativität bezeichnet.