Deviation | Perversion

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Die beiden Begriffe Deviation und Perversion meinen im Prinzip beide das selbe. Sie stehen für von der Norm abweichende sexuelle Neigungen und Verhaltensweisen bzw. Praktiken. Lange Zeit wurden beide Begriffe als medizinisch-psychologische Fachbegriffe verwendet. Heute gelten sie freilich als überholt. In medizinischen Fachpublikationen zu sexuellen Störungen etwa sind die die Ausdrücke Deviation und Perversion praktisch nicht mehr zu finden. Man spricht stattdessen lieber von Paraphilien, die im „Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders“ (DSM) aufgeführt werden. Umgangssprachlich ist allerdings nach wie vor die zum Beispiel die Rede davon, dass etwas pervers ist.

In den Bereich der Deviation bzw. der Perversion, wenn man denn so will, fallen laut DSM unter anderem folgende sexuelle Neigungen und Praktiken: Fetischismus, Transvestismus, Exhibitionismus, Voyeurismus, Pädophilie, Sadomasochismus, Frotteurismus, Zoophilie, Nekrophilie, Feeding, Koprophilie, Urophilie und Vomophilie. Diese Auflistung macht allerdings auch deutlich, wie problematisch die Einstufung ist. Während nämlich beispielsweise Sex mit Kindern (Pädophilie), Sex mit Tieren (Zoophilie) oder etwa auch Nekrophilie (Sex mit Toten) von weiten Teilen der Gesellschaft abgelehnt wird und verboten ist, würde sich heute kaum noch jemand über Natursektspiele (Urophilie) oder SM-Praktiken aufregen – vorausgesetzt natürlich, es geschieht alles mit dem Einverständnis der beteiligten Personen. Derartige Paraphilien müssen im Übrigen auch nicht unbedingt krankhaft sein. Als krankhaft werden sie nur eingestuft, wenn bei dem Betroffenen ein gewisser Leidensdruck herrscht.

Tatsächlich ist das, was unter Deviation oder Perversion verstanden wird, sehr stark zeit- und gesellschaftsabhängig. Man sollte dabei nicht vergessen, dass beispielsweise Anal- und Oralverkehr vor noch nicht allzu langer Zeit auch in der christlich-westlichen Kultur noch als verdammungswürdig galt. In einigen Teilen der Welt ist das bis heute der Fall. Ähnliches gilt für Homosexualität oder transsexuelle Neigungen. Man deshalb wohl gut daran, zumindest einmal über die Einschätzung nicht weniger Sexualpsychologen nachzudenken, dass es zwischen Menschen, die sich voneinander sexuell angezogen fühlen und freiwillig Sex miteinander haben, so etwas wie Deviation oder Perversion nicht gibt. Erlaubt ist demnach, was beiden gefällt und worauf sie beide Lust haben – und vom jeweiligen Gesetzgeber nicht verboten ist.