Cocotte

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Cocotte ist Französisch für Hühnchen und bezeichnete im 18. und 19. Jahrhundert eine Halbweltdame beziehungsweise eine Edel-Prostituierte. Eine Cocotte zu besitzen war in der damaligen Gesellschaft nichts Verwerfliches. Stattdessen galt eine Cocotte als ein Statussymbol, deren teure Dienste sich lediglich wohlhabende Männer leisten konnten. Eine Cocotte war eine Art von Mätresse, die sich jedoch zumeist von mehreren Männern gleichzeitig aushalten ließ. Am ehesten ist eine Cocotte mit einem heutigen Luxus-Callgirl vergleichbar.

Ein gutes Beispiel dafür, welch ein hohes Ansehen eine Kokotte bisweilen genießen konnte, ist die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebende Französin Méry Laurent. Diese kam in jungen Jahren aus der Provinz nach Paris, um Schauspielerin zu werden. Hierbei fiel sie in erster Linie dadurch auf, dass sie wenig bekleidet in Revuen auftrat. So entstieg sie 1867 in dem Stück La belle Hèlene fast nackt einer Muschel.

Dadurch wurde der alte General de Canobert auf sie aufmerksam und Méry Laurent wurde seine Geliebte. Später lernte Méry Laurent den reichen Amerikaner und Zahnarzt der Zarenfamilie Thomas W. Evans kennen. Dieser ging eine dauerhafte Beziehung mit ihr ein. In Folge zahlte Méry Laurent jährlich 50.000 Francs, richtete er ihr eine Wohnung im Zentrum von Paris ein und kaufte ihr zudem eine Villa am Boulevard Lannes. Derart finanziell abgesichert begann Méry Laurent parallel zu der Beziehung zu ihrem reichen amerikanischen Gönner, eine Reihe von Beziehungen zu verschiedenen bekannten Künstlern ihrer Zeit.

Der Erste ihrer zahlreichen kreativen Liebhaber war der Dichter François Coppée. 1876 folgte der berühmte Maler Édouard Manet, der Méry Laurent in mehreren Bildern verewigte. Über Manet lernte Méry Laurent den symbolistischen Dichter Stéphane Mallarmé kennen, den die Kokotte zu mehreren Gedichten inspirierte. Über Mallarmé wiederum lernte Méry Laurent den Jahrhundert-Schriftsteller Marcel Proust kennen. Dieser entwarf in seinem monumentalen Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ die Romanfigur Odette de Crécy nach dem Vorbild von Méry Laurent. Der letzte Geliebte der längst legendären Kokotten wurde der Musiker Reynaldo Hahn.